Katzenallergie

Katzenallergie

Zuletzt aktualisiert:

In jedem dritten Haushalt hierzulande lebt eine Katze – davon rund 30 Prozent in einem Single- oder Zweipersonenhaushalt, knapp 40 Prozent in einem Mehrfamilienhaushalt und 67 Prozent in Haushalten mit Kindern [1, 2]. Mit der Zunahme von Katzen in deutschen Haushalten steigen bei Kindern und Erwachsenen auch die Sensibilisierungen gegen sie [4]. Häufige Symptome einer Katzenallergie sind allergischer Schnupfen und Bindehautentzündungen bis hin zu asthmatischen Beschwerden oder Hautreizungen und juckenden Hautstellen. Eine bestehende Sensibilisierung erhöht, laut Studien, das Risiko an Asthma zu erkranken [5].

Manche Katzenbesitzerinnen und Katzenbesitzer erreichen offenbar trotz Sensibilisierung im Zusammenleben mit ihrer Katze eine Art Toleranzstadium. Rund 40 Prozent von auf eine Katzenallergie getestete Personen wollen trotz ihrer Symptome mit ihrer Katze weiterhin zusammenleben [6, 7].

Bei Beschwerden unbedingt zur Fachärztin oder einem Facharzt gehen

Wer nach dem Kontakt mit einer Katze Beschwerden im Sinne von allergischem Asthma mit trockenem Husten und hörbarer Atmung hat, sollte unbedingt eine Fachärztin oder einen Facharzt (Allergologie, Lungenheilkunde) aufsuchen. Die aktuellen deutschen Leitlinien zur Allergieprävention raten Familien mit erhöhtem Allergierisiko oder mit Kindern mit bereits bestehendem atopischen Ekzem, keine Katze neu anzuschaffen [8].

Eine Katzenallergie kann sich auch ohne Katze im eigenen Haushalt entwickeln. Gemeinsam ist allen Betroffenen, dass sie offensichtlich mit den Allergenen einer Katze in Berührung gekommen sind, sei es im öffentlichen Nahverkehr, im Büro oder zu Hause [9].

Woher kommen die Katzenallergene?

Allergene können nicht nur Pollen, sondern auch Hausstaubmilben, deren Kot oder Tierhaare sein. Bei der Katze sind bislang acht verschiedene Allergene bekannt. Das Fel d 1 (Felis domesticus) ist davon der häufigste und wichtigste Biomarker – er löst am ehesten eine Allergie aus und ist bei bis zu 95 Prozent aller Katzenallergikerinnen und Katzenallergiker für die Erkrankung verantwortlich [9].

Während Landkatzen oft als sogenannte „Freigänger“ draußen und mit allergen-regulierender Schmutzexposition unterwegs sind, lebt die „saubere“ Wohnungskatze eher als hygienisch einwandfrei in zu sauberen Räumen. Hier kommt es zu einer viel höheren Allergenexposition. Fel d 1- Allergene befinden sich auf Textilien, Möbeln und überall dort in Räumen, wo sich Katzen aufhalten. Oft auch noch lange nach deren Auszug.

Reinigung von Textilien und Waschen der Katze

Neben dem Reinigen von Textilien mit Detergenzien in der Waschmaschine unterstützt die Kombination mit anschließender Trocknung im Wäschetrockner. Die Katze selbst zu waschen, kann die Allergenmenge auch deutlich vermindern, ist aber keine Lösung mit dauerhafter Wirkung, sondern muss wöchentlich wiederholt werden. Der Einsatz von Luftfiltergeräten ist gegen das sogenannte Indoor-Katzenasthma ratsam, vorausgesetzt, die Geräte sind mit einem HEPA-Filter ausgestattet [10, 11].

Antikörper im Hühnereigelb

Forscher haben herausgefunden, dass Hühner, die mit Katzen zusammenkommen, in der Lage sind, eigene Antikörper gegen das Katzenallergen zu bilden. Diese Antikörper kommen stark konzentriert im Eigelb vor. Wird das „Hühnereigelb-Antikörper“ im Trockenfutter der Katzen eingebracht, kann es seine Wirkung mit dem Ergebnis entfalten, dass die Katze weniger oder keine Allergen verbreitet. Das Katzenallergen wird dadurch völlig harmlos im Katzenspeichel blockiert. In einer Studie konnte nachgewiesen werden, dass das aktive Katzenallergen durchschnittlich nach drei Wochen Fütterung um 47 Prozent reduziert wurde [9].

Katzenimpfung als Lösung?

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten die Idee der Impfung von Katzen mit virusähnlicher Partikeltechnologie mit dem Ziel, neutralisierende Anti-Fel d 1-Antikörper in die Katze einzubringen, um die Menge an ausgeschiedenen Allergenen zu reduzieren. Es wurden keine Nebenwirkungen dokumentiert. Streicheleinheiten waren wieder möglich, ohne gesteigerte Niesattacken. Gegen dieses Konzept stehen jedoch ethische Bedenken – vor allem mit Blick auf den Nutzen für die Katzen [12].

Die Erschaffung einer hypoallergenen Katze, die mehr oder weniger „Fel d 1-frei“ ist, wurde bisher noch nicht erreicht: Auch Nacktkatzen belasten ihr Umfeld in ausreichender Menge über den Speichel [13, 14]. Britische Kurzhaarkatzen sollen wegen ihrer Haarlänge weniger Allergene verbreiten; sibirische Langhaarkatzen gelten trotz ihres langen Fells als wenig allergen [9].

Intrazellulärer Eisenmangel

Neue Erkenntnisse zeigen, dass diätetische Mangelzustände den atopischen Phänotyp der Allergikerin und des Allergikers unterstützen. Dies betrifft insbesondere Eisen- und Zinkmangel, aber auch einen Mangel an Folsäure. Oft handelt es sich um einen funktionalen Eisenmangel in den Immunzellen. Dieser intrazelluläre Eisenmangel kann ausgeglichen und damit die natürliche regulatorische Funktion von Immunzellen korrigiert werden [15].

Lutschtablette kann helfen

Das neue Wissen um die Eisenverwertungsstörung in Kombination mit dem bekannten Bauernhofeffekt gegen Allergien (Hygienetheorie) hat zur Entwicklung einer Lutschtablette geführt [16]. Diese Lutschtablette zeigt als diätetisches Nahrungsmittel sowohl in einer doppelblinden placebo-kontrollierten Studie bei Pollenallergie als auch in Studien in der Allergen-Expositionskammer der ECARF Institute GmbH auf dem Gelände der Charité – Universitätsmedizin Berlin Mitte, Wirkung bei einer Hausstaubmilben-Rhinitis [17]. In einer nachfolgenden Open-Label-Pilotstudie bei Patientinnen und Patienten mit allergischer Rhinitis gegen Katzenallergene waren die Ergebnisse ebenso überzeugend [18]. Diätische Maßnahmen können somit eine bestehende Katzenallergie korrigieren.

Quelle und weitere Informationen:

ECARF

Titelbild: Thomas Beckert  / pixelio.de