Der Kampf gegen Ambrosia – Experteninterview mit Dr. rer. nat. Uwe Starfinger

Der Kampf gegen Ambrosia – Experteninterview mit Dr. rer. nat. Uwe Starfinger

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Zur Person
Der Biologe Dr. rer. nat. Uwe Starfinger arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter mit dem Schwerpunkt „invasive gebietsfremde Pflanzenarten“ am Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. Er koordiniert dort die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Ambrosia und das Aktionsprogramm Ambrosia, das durch Aufklärung von Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit dazu beitragen soll, die schädliche Pflanze zu reduzieren.

Die Ambrosia zählt zur Familie der Korbblütler und wurde aus Nordamerika nach Europa eingeschleppt. Neben der extremen Pollenproduktion und der Blütezeit bis in den Oktober hinein, die Pollenallergiker besonders belastet, löst die Pflanze auch Hautreaktionen aus. Bei Patienten, die allergisch auf den Gemeinen Beifuß reagieren, kann es zu Kreuzreaktionen bei Kontakt mit Ambrosia kommen. Experten sind sich einig, dass die Ausbreitung der Ambrosia-Pflanze auf jeden Fall verhindert werden muss. Wir haben den Ambrosia-Experten Dr. Uwe Starfinger vom Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, in Braunschweig zu diesem Thema befragt.

allergie.de: Warum verbreitet sich Ambrosia in Europa so schnell? Gibt es Länder, die mehr von Ambrosia betroffen sind als andere?

Dr. Uwe Starfinger:
Ambrosia ist bereits im 19. Jahrhundert nach Europa eingeschleppt worden. Sie hat sich in wärmeren Gebieten wie Ungarn sowie Teilen von Frankreich und Italien schon früher ausgebreitet, in anderen Ländern wie zum Beispiel in Deutschland erst später und dies weiter anhaltend. Studien zeigen, dass der Klimawandel die Ausbreitung weiter nach Norden möglich macht. Die Samen der Pflanzen werden entlang von Straßen, durch Erdbewegungen bei Bauarbeiten, aber auch über verunreinigte Sonnenblumenkerne verbreitet. Besonders die Verwendung von mit Ambrosia verunreinigtem Vogelfutter kann zu neuen Beständen in Siedlungen führen.

allergie.de: Was wird in Europa gegen Ambrosia getan? Welche Möglichkeiten zur Bekämpfung gibt es?

Dr. Uwe Starfinger:
In den letzten Jahren haben mehrere europäische Forschungsprojekte gezeigt, dass Ambrosia sich gut bekämpfen lässt, wenn man es richtig macht, z. B. durch Ausreißen, durch den Einsatz von Herbiziden in der Landwirtschaft oder durch Mahd (Anm. der Redaktion: Mähen) mit gut angepassten Schnittterminen etc. Dennoch geschieht nicht genug, da es entweder keine ausreichenden gesetzlichen Regelungen gibt oder diese nicht konsequent umgesetzt werden. Die Schweiz kann als positives Beispiel gelten, dort wurde schon früh eine Melde- und Bekämpfungspflicht eingeführt.

allergie.de: Reichen diese Maßnahmen Ihrer Meinung nach aus, um die Verbreitung von Ambrosia wirksam zu bekämpfen? Gibt es in Deutschland noch Verbesserungsbedarf?

Dr. Uwe Starfinger:
In Teilen Deutschlands werden Maßnahmen ausreichend und erfolgreich umgesetzt, anderswo wird nicht genug getan. Im Gegensatz zur Schweiz fehlt bei uns eine spezialgesetzliche Regelung, die etwa Behörden in die Lage versetzen würde, eine Bekämpfung anzuordnen. Europaweit gibt es die Zusammenarbeit unter Forschern und freiwillig engagierten Menschen, z. B. in der International Ragweed Society. Eine Vereinheitlichung von Richtlinien zur Bekämpfung könnte die Effizienz der Maßnahmen verbessern.

allergie.de: Was kann der bzw. die Einzelne tun, um die Verbreitung von Ambrosia einzudämmen?

Dr. Uwe Starfinger:
Die Erfassung und Bekämpfung neu auftretender Bestände kann tatsächlich nicht von Behörden allein geleistet werden. Gerade kleine neue Bestände aus wenigen Pflanzen auf Privatland oder im Siedlungsbereich sollten möglichst aufmerksam beobachtet und schnell bekämpft werden. Leider ist die Pflanze nicht leicht zu erkennen, es gibt aber im Internet zahlreiche Seiten, die das Erkennen erleichtern oder die Hilfe anbieten. Auch das Julius Kühn-Institut kann über die E-Mail-Adresse ambrosia@julius-kuehn.de bei der Bestimmung von Pflanzen auf Fotos helfen.

allergie.de: Soll man kleinere Ambrosia-Bestände selbst entfernen oder besser einen Experten bemühen?

Dr. Uwe Starfinger:
Kleinere Bestände – gerade im eigenen Garten – sollte man selbst entfernen. Wir empfehlen, dabei Handschuhe zu tragen, um sich vor den manchmal auftretenden Hautirritationen zu schützen. Bei blühenden Pflanzen kann eine Staubmaske das Einatmen von Pollen verhindern. Zur Entsorgung dann am besten alles in den Hausmüll. Da sich an der Pflanze vielleicht schon Samen entwickeln, könnte die Kompostierung zur weiteren Ausbreitung führen. Größere Bestände sollten von Fachleuten bekämpft werden, das ist aber nicht überall gewährleistet. Informationen sollte es bei den Kommunen oder bei Landesstellen (Umweltamt, Pflanzenschutzamt) geben.

Vielen Dank für das Gespräch!

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